Auf den Spuren der Augustiner Chorherren  des Stiftes Dießen

 ( Zusätzliche Bilder unter diesem Link )

Angeregt durch einen Bericht über den Erwerb eines Weingutes namens Rauchbichl ( bzw Rauhenpuchlhof ) 1589 in Terlan durch die Diessener Augustiner  Chorherren unter dem Probst Balthasar Ginter  fanden wir heraus, daß dieses Weingut unter dem Namen Rauchenpichlhof   nach wie vor existiert. So führte uns eine dreitägige Exkursion vom 6.4. bis 8.4.18 nach Terlan.

Rauenbchl

Auf der Fahrt besuchten wir das Augustiner Chorherrenstift  Neustift bei Brixen, das ebenfalls einen Bezug zum Kloster Diessen hatte. Bei den Visitationen ihres Weingutes in Terlan machten die Diessener Augustiner dort auf der Reise Station. 1648 verstarb dort der Diessener Probst Simon Wörle auf der Rückreise an der Ruhr. Die Neustifter Augustiner Chorherren sind heute im Bereich Bildung tätig. Bildung zählt seit jeher zu den zentralen Aufgaben der Augustiner Chorherren. Das Bildungshaus Kloster Neustift bietet eine besondere Atmosphäre für Ihre erfolgreiche Weiterbildung in Südtirol. Darüberhinaus betreibt das Stift ein Internat und auch ein Weingut: https://www.kloster-neustift.it.

                    Neustift Ki 
   

             

Wir nahmen an einer ausgesprochen ausführlichen Klosterführung teil, nachdem wir uns im Klostergasthof vorab gestärkt haben. Danach ging es weiter zu unserem Reiseziel Terlan. Wir bezogen dort unser Quartier um danach im ehemaligen Diessener Weingut den Abend zu verbringen. Begrüßt wurden wir dort von Frau Klara Mitterer, Heimatkundlerin aus Terlan und dem 1. Bürgermeister Klaus Runer. Mit Frau Mitterer waren wir schon vorher in Kontakt. Sie half uns bei der Suche nach dem Weingut,  führte uns am nächsten Tag durch die Terlaner Kirche ( davon später ), gab uns Informationen zur Geschichte und wertvolle Tips. Vielen Dank! Bürgermeister Runer brachte uns seine Gemeinde sowohl im  historischen und wirtschftlichen Kontext nahe. Wir erfuhren, daß Terlan ursprünglich durch Silberabbau in den umliegenden Bergen reich geworden ist. Der derzeitige Wohlstand beruht auf den Säulen Weinbau, Spargelanbau und Tourismus.  Dazu der Terlaner Wein brachte uns in einen stimmungsvollen, langen Abend.

 

Terlan BGN AB

Am nächsten Tag stand morgens der Besuch der Burganlage Runkelstein in Bozen auf unserem Programm. Vom Parkplatz aus mussten wir einen zu Fuß 10 Minuten ansteigen. Für manche von uns war das ein harter Tagesbeginn. Oben erwartete uns jedoch eine Märchenburg. Anders als andere Burganlagen Südtirols, die in der Neuzeit stark umgebaut wurden, hat Runkelstein seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Die Anlage wurde mit einiger Sicherheit 1237 durch die Brüder Friedrich und Beral von Wangen erbaut. 1385 erwarben die Brüder Franz und Nikolaus Vintler die Burg und begannen 1388 mit dem Umbau und der Ausmalung. 1833 besuchte König Ludwig I. von Bayern die Burg und trug sich als erste Person in das noch erhaltene Gästebuch ein.

Runkelstein1              

             

Die Anlage weist den größten profanen Freskenzyklus des Mittelalters auf, der von 1388 bis 1410 entstanden ist. Zu den ältesten Teilen gehören die Wandmalereien in der 1390 geweihten Burgkapelle. Die Führung durch die Räumer des mit diesen Fresken ausgestattenen Westpallas der Burg führte uns direkt in das mittelalterliche Leben ein. Höfische Szenen, Turnier, Jagddarstellungen sowie  Erzählungen von mittelalterlich Sagen wechseln sich ab. Die große Bedeutung der Runkelsteiner Fresken beruht darauf, dass sie eine einzigartige Quelle für die Bekleidungsgeschichte des späten Mittelalters, insbesondere des 14. Jahrhunderts darstellen www.runkelstein.info  .

 

Runkelstein3

Nach diesem einzigartigen Erlebnis begaben wir uns wieder auf die Spuren der Augustiner Chorherren. Der in Neustift verstorbene Simon Wörle war vom dortigen Probst zur Weinlese auf dem Weingut Maria Heim eingeladen - heute im Stadtgebiet Bozen gelegen. Die Gebäude in Bozen gehören heute nicht mehr zum Kloster - jedoch die darum liegenden Weinberge. 

    Maria Heim 1 

                                                                                              Maria Heim

  Siebeneich2

                                                                                               Siebeneich

Die Gebäude, in denen sich drei ineinander verschachtele Kapellen befinden, sind nicht öffentlich zugänglch. Doch einer der - leider nur italienischsprachige - Hausmeister machte uns den Besuch möglich. Eine zufällig anwesende Dame half bei der Übersetzung. Im Gegensatz zu den großen Kirchen gaben diese kleinen Kapellen ein fast privaten Einblick in das damalige klösterliche Leben.

Nach einem guten Mittagessen in Siebeneich - einem Terlaner Ortsteil - besuchten wir das dortige Klösterchen mit der Kirche zum Hl. Antonius  des Deutschn Ordens ( auch Deutsch-Herren-Orden). Auch hier half uns  eine Pförtnerin und der Verwalter des anliegenden Weingutes zum Besuch und damit verbunden zu Information über den Deutschen Orden in Südtirol. Erstmals urkundlich genannt wird die Ortschaft in den Jahren 1182–1187 als „Sibenaiche“ im Traditionsbuch von Kloster Wessobrunn, das hier über Grundbesitz verfügte. Leider war es nicht möglich wegen der Kürze der Zeit  Informationen zu den Deutsch-Herren in Südtirol zu erlangen. Wir haben ja bei uns in Weil auch eine Kirche, die von den Deutsch-Herren erbaut wurde. Vielleicht hat es zwischen der Komturei in Südtirol und der Komturei in Blumental ( Aichach), zu der Weil gehörte, Verbindungen gegeben.

Bevor jedoch der Tag mit einem zünftigen Abendessen in Terlan ausklang, führte uns Frau Mitterer noch durch die Pfarrkirche von Terlan.Mit einem umfassenden Wissen ausgestattet, zeigte sie uns detailreich die Geschichte der Kirche auf. Die Kirche hat einen getrennt stehenden schiefen Turm. Dieser wurde zur Stabilisierung chon einmal komplett abetragen und aus den gesicherten Steinen wieder aufgebaut. Dennoch konnte die Neigung nicht vollständig beseitigt werden.

    Terlan2   

Am nächsten Morgen hieß es dann, zurückzufahren. Jedoch nahmen wir nicht den direkten Weg über die Autobahn, sondern den alten Handelsweg über den Ritten nach Klausen  und dann weiter die Autobahn. Bis ins Mittelalter war der Weg von Bozen nach Brixen durch die enge Schlucht direkt hinter Bozen unpassierbar. So sind Händler , Heere und Reisende schon seit und auch vor den Zeiten der Römer erst auf den Ritten und dort bis Klausen auf der Höhe gefahren und haben so die Enge der Etsch umgngen. Wir konnten dort auch noch Reste des Weges besichtigen- in Steine eingefräste Radspuren. Nach einem Mittagessen bei Sterzing ging es dann mit kurzer Rast am Walchensee direkt zurück.

RmStr

Eine informative Exkursion, bei der auch leibliche Genüsse nicht zu kurz kamen ging zu Ende. Zum Schluss möchten wir uns noch bei der Pension Runer bedanken, in der wir herzlich aufgenommen wurden. Wir können sie nur weiter empfehlen.

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